Die Imago-Therapie

Dieser Text aus dem Jahr 2009 des Psychologen Werner Stangl gibt einen allgemeinen Überblick über die Imago-Therapie und ordnet sie historisch und theoretisch in das therapeutische Spektrum ein. Im Detail wird die Entstehung von Paarproblemen beleuchtet und die therapeutische Logik der Intervention durch die Imago-Therapie erklärt. Der letzte Abschnitt “Schritte des Imago-Therapie” beschreibt 6 Themen, an denen Paare im Rahmen der Imago-Therapie typischerweise arbeiten. Zum Schluss findet sich eine Liste der Referenzen bzw. einschlägiger Literatur. Veröffentlicht mit der freundlichen Genehmigung des Autors. Quelle: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/PSYCHOTHERAPIE/Imago-Therapie.shtml Grundgedanke der Imago-Therapie ist, dass unverarbeitete Konflikte und Erlebnisse aus der Kindheit die Beziehungswelt Erwachsener belasten können. 1.) Bedeutung des Wortes ‘Imago’ a.) ‘Imago’ ist die tiefenpsychologische Bezeichnung für ein idealisiertes Bild von Personen (besonders von Vater und Mutter, aber auch Geschwistern), das vor allem in der frühen Kindheit unbewusst entsteht und später die Entscheidungen und Handlungen des Erwachsenen beeinflussen kann. Imago (lat. Bild, Plural Imagines) ist ein Begriff aus der Analytischen Psychologie und wurde erstmals von deren Begründer Carl Gustav Jung verwendet und steht ganz allgemein für ein im Unterbewusstsein existierendes (Ideal)bild einer anderen Person der sozialen Umwelt. Eltern-Imagines können auch als Vorläufer für das von Sigmund Freud so genannte ‘Über-Ich’ angesehen werden. Auch der Titel der ersten psychoanalytischen Zeitschrift lautete ‘Imago’. b.) Eine Imago ist also im Wesentlichen ein zusammengesetztes Ebenbild von Personen, die einen Menschen in der Kindheit am meisten beeinflusst haben. Anpassungen an Stress in der Kindheit bilden Abwehr-Verhaltensmuster, die beim erwachsenen Menschen als Persönlichkeitsstruktur fungieren. Liebe ist nach Ansicht von Robert. J. Sternberg nichts anderes als ein individuelles Drehbuch, das Menschen schon kurz nach der Geburt zu schreiben beginnen und im späteren Leben gilt es, einen Partner mit kompatibler Beziehungsgeschichte zu finden. Harville Hendrix und Helen LaKelly Hunt gehen davon aus, dass Menschen für ihre Beziehung oder Ehe unbewusst jenen Menschen wählen, der positive und negativ